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03.11.03
"Ich freue mich, mit dieser Mannschaft in Brasilien
anzutreten"
In einer Woche, am 10. November, fliegt die deutsche Faustball-Nationalmannschaft von Frankfurt nach Brasilien, genauer nach Porto Alegre, wo vom 16.-23. November die 11. Weltmeisterschaft stattfindet.
Felix Stöldt führte hierzu ein Interview mit Bundestrainer Udo Schulz.
Felix Stöldt: Am Wochenende 25./26. Oktober hat sich die Mannschaft zum letzten Trainingslager vor der Abreise nach Brasilien in Leverkusen getroffen. Wie ist die Mannschaft drauf?
Udo Schulz: Die Wetterbedingungen waren natürlich alles andere als „brasilianisch“. Bei Temperaturen von 5 Grad wurden nur kurze und intensive Trainingseinheiten absolviert. Im abschließenden Turnier gegen Leverkusen und Koblenz haben wir sehr wechselhafte Leistungen gezeigt. Allerdings haben mit Niels Pannewig und Lutz Meyer auch wichtige Spieler durch Verletzungen nur eingeschränkt eingesetzt werden können. Die Stimmung in der Mannschaft ist hervorragend. Wir fliegen als echtes Team nach Porto
Alegre.
Stöldt: Verletzung? Hoffentlich nichts ernstes. Werden die beiden zum WM-Beginn wieder fit sein?
Schulz: Die Verletzungen sind nicht
gravierend. Beide werden sie rechtzeitig zum ersten Spiel auskuriert haben und wieder zu 100 Prozent fit sein.
Stöldt: Seit Mai liefen die Vorbereitungen auf diese Weltmeisterschaft. Das deutsche Team hat so viele Trainingslager und –spiele wie lange nicht mehr absolviert. Sind Sie mit dem Verlauf der Vorbereitung zufrieden? Wie hat die Mannschaft bei diesem Mammutprogramm mitgezogen?
Schulz: Zunächst möchte ich mich herzlich bei den Mitgliedern vom „KLUBB Förderer der Nationalmannschaft“ und unseren Faustballfreunden aus Weil der Stadt, Hannover, Ortenberg, Wardenburg, Erlangen, Bozen und Leverkusen bedanken. Sie haben maßgeblich dazu beigetragen, dass wir uns so intensiv vorbereiten konnten: Besonderer Dank gebührt Herrn Manfred Hopfengärtner und der Siemens AG in Erlangen, die uns bei der Ausrüstung sehr großzügig unterstützt haben.
Den Spielern muss ich ein Riesen-Kompliment machen. Neben Studium bzw. Beruf haben sie nach der Saison mit Punktspielen, der Deutschen Meisterschaft und dem Europacup nochmals an fünf Wochenenden insgesamt 16 Trainingstage mit dem WM-Team absolviert. Hinzu kommt das Heimtraining mit bis zu acht Trainingseinheiten in der Woche. Noch nie zuvor hat eine deutsche Mannschaft eine so intensive Vorbereitung auf eine internationale Meisterschaft absolviert. Alle Spieler haben gut mitgearbeitet und ich freue mich, mit dieser Mannschaft in Brasilien anzutreten.
Stöldt: Bei Testspielen gab es Siege gegen Brasilien und Österreich, aber auch eine Niederlage gegen die Schweiz. Wie sind die Ergebnisse einzuschätzen?
Schulz: Das waren Testspiele und somit haben die Ergebnisse auch keinen großen Wert. Österreich und Brasilien waren nicht mit den besten Spielern in Bademeusel. Dennoch war es für unsere Moral wichtig, wie wir den entscheidenden Satz gegen Österreich gewonnen haben. Gegen die Schweiz konnten wir Niels Pannewig nicht einsetzen und ich habe unsere Spieler durch viele Wechsel immer wieder aus dem Rhythmus gebracht. Für mich gab es dadurch wichtige Erkenntnisse.
Stöldt: Im EM-Finale 2002 wurde Ihre Mannschaft von Österreich regelrecht deklassiert. Dafür mussten Sie in der deutschen Öffentlichkeit auch viel Kritik einstecken. Welche Konsequenzen haben Sie persönlich daraus gezogen? Ist Ihre Mannschaft in diesem Jahr stärker oder kann solch eine Niederlage wieder vorkommen?
Schulz: Ich könnte einige Spiele aufzählen, die ähnlich gelaufen sind. Die Österreicher haben in Erlangen hervorragend gespielt und immer dann, wenn wir unsere kleine Chance „gewittert“ haben, kam wieder ein Rückschlag. Meine Konsequenz kann man in der Vorbereitung ablesen. Wir haben frühzeitig die Mannschaft nominiert und in Wettkämpfen und Trainingsspielen mit starken Trainingspartner wie Dirk Schachtsiek, Martin Becker und Stefan Lebert immer wieder „Druck“ gesucht. In diesem Jahr ist unser Team insgesamt ausgeglichener besetzt und bietet mehr Möglichkeiten das Spiel taktisch zu verändern. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir selbst mehr Druck erzeugen können und bei der WM keine derartige Niederlage hinnehmen werden müssen.
Stöldt: Brasilien ist für seine fanatischen Fans bekannt, die ihr Team lautstark unterstützen und sich ,nach europäischen Empfinden gerade dem Gegner gegenüber, nicht immer fair verhalten. Ihnen, als 74-fachem Nationalspieler, ist die südamerikanische Mentalität bekannt. Wie haben Sie gerade die jungen Spieler auf diese ungewohnte Atmosphäre vorbereitet?
Schulz: Auf diese Atmosphäre kann man sich nicht vorbereiten. Unsere Spieler haben sicherlich wenig internationale Erfahrung, aber sie sind in der Lage auch in einem „Hexenkessel“ ihre spielerische Leistung abzurufen.
Stöldt: Erstmals wird in diesem Jahr eine A- und B-Weltmeisterschaft ausgetragen. Dadurch stehen von Anfang an nur Spitzenspiele auf dem Programm. Im Eröffnungsspiel kommt es gleich zur Neuauflage des letzten WM-Finals gegen Gastgeber Brasilien. Es reicht aber auch ein vierter Platz zur Qualifikation fürs Halbfinale. Wie gefällt Ihnen dieser Modus?
Schulz: Für die Zuschauer ist es sicherlich eine gute Entscheidung. Allerdings halte ich es sportlich für problematisch, wenn Nationalteams aus Italien, Dänemark, Chile, Indien und Japan überhaupt keine Möglichkeit bekommen, um die Medaillen mitzuspielen.
Stöldt: Bis 1999 schien Deutschland die internationalen Titel für sich gepachtet zu haben. Seither sind die großen Erfolge jedoch ausgeblieben und die Titel nach Österreich und Brasilien vergeben. Was ist für das deutsche Team bei dieser WM drin, welche Zielsetzung haben Sie und wer sind Ihre Favoriten?
Schulz: Natürlich sind Brasilien und Österreich die Favoriten für die kommende WM. Unser Ziel wird die Final-Teilnahme sein. Und wenn wir dann im Finale stehen, dann wollen wir natürlich auch gewinnen.
Stöldt: Am 10. November wird die Mannschaft von Frankfurt/Main aus nach Brasilien starten. Was steht noch bis zum ersten Spiel am 16.11. auf dem Plan?
Schulz: Wir werden uns zunächst in Florianopolis akklimatisieren. Dort wollen wir uns mit Balltraining und Strandläufen den letzten Schliff in punkto Ballsicherheit und Fitneß holen. Dann haben wir noch zwei Tage Vorbereitung im Stadion in Porto Alegre, u.a. auch unter Flutlicht, um uns an die Verhältnisse vor Ort zu gewöhnen. Das Eröffnungsspiel gegen den Gastgeber und Titelverteidiger Brasilien bedeutet dann Turnierbeginn mit Volldampf.
Herzlichen Dank für das Interview und Ihnen und der Mannschaft viel Erfolg bei der WM!
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